Fahrradstraße, Begegnungszone, Fußgängerzone, Wohnstraße

Geschrieben von mp. Veröffentlicht in Wahlsplitter

Flurgasse 2020: nach 8 Monaten Bauzeit scheint es, als ob die Bauarbeiten darin endlich zu einem Abschluß kommen würden.

Soll doch als letztes Teilstück das neue Straßenstück ab der alten Unterführung inklusive neuer Bahnunterführung fertig gestellt werden. Asphaltiert wurde es bereits, aktuell noch gesperrt (was wiederum für einigen Ärger bei Anrainern sorgt, da sie im Prinzip fahrtechnisch vom Ort komplett abgeschlossen sind), müsste die gesamte Flurgasse wieder durchgängig befahrbar sein (siehe verordnete Sperre lt. Gemeinde gilt bis 10. März 2020 - SIEHE PDF).

Ende Februar 2020 kam nun der aktuelle Bürgermeister (Helmreich, ÖVP) mit einem plötzlichen Vorschlag.

Und das nachdem viele Anwohner und Betroffen sowie wir seit über 9 Jahren versuchen, die Gemeinde dazu zu bewegen, die Flurgasse zu einer verkehrsberuhigten Zone zu erklären.

Doch wurde uns immer wieder sowohl von Helmreich als anderen Personen erklärt, das das nicht so leicht sei - vor allem die Bezirksbehörde ein solches Anliegen nicht unterstützen würde. Und jetzt auf einmal das, so kurz vor den Gemeinderatswahlen 2020 .. kann man davon halten was man mag.

Der Vorschlag des Herrn Helmreich: machen wir doch aus der Flurgasse eine Fahrradstraße.
Und er hätte auch schon mit den anderen Parteien telefonischen Kontakt diesbezüglich gehabt - es seien auch alle dafür.

Nur wie sieht dieser Vorschlag in der endgültigen Version aus?
Hat er dazu nähere Angaben gemacht?
Von wo bis wo soll diese Fahrradstraße gehen?
Und wurde mit den Betroffenen selber gesprochen?

Laut ersten Informationen soll diese Fahrradstraße von der neuen Eisenbahnunterführung (ab Wassergasse oder weiter südlich ?) bis Brücke Einödstraße gehen.

Was ist dann mit dem Stück von Packerstraße bis Wassergasse - auch dort sollte eine Verkehrsberuhigung erfolgen.

Nun, was heisst eigentlich Fahrradstraße und was bedeutet das für die Anrainer in Zukunft?
Hier der Gesetzestext:

§ 67 StVO 1960 Fahrradstraße

(1) Die Behörde kann, wenn es der Sicherheit, Leichtigkeit oder Flüssigkeit des Verkehrs, insbesondere des Fahrradverkehrs, oder der Entflechtung des Verkehrs dient oder aufgrund der Lage, Widmung oder Beschaffenheit eines Gebäudes oder Gebietes im öffentlichen Interesse gelegen ist, durch Verordnung Straßen oder Straßenabschnitte dauernd oder zeitweilig zu Fahrradstraßen erklären.
In einer solchen Fahrradstraße ist außer dem Fahrradverkehr jeder Fahrzeugverkehr verboten; ausgenommen davon ist das Befahren mit den in § 76a Abs. 5 genannten Fahrzeugen sowie das Befahren zum Zweck des Zu- und Abfahrens.

(2) Die Behörde kann in der Verordnung nach Abs. 1 nach Maßgabe der Erfordernisse und unter Bedachtnahme auf die örtlichen Gegebenheiten bestimmen, dass die Fahrradstraße auch mit anderen als den in Abs. 1 genannten Fahrzeugen dauernd oder zu bestimmten Zeiten befahren werden darf; das Queren von Fahrradstraßen ist jedenfalls erlaubt.

(3) Die Lenker von Fahrzeugen dürfen in Fahrradstraßen nicht schneller als 30 km/h fahren. Radfahrer dürfen weder gefährdet noch behindert werden.

(4) Für die Kundmachung einer Verordnung nach Abs. 1 gelten die Bestimmungen des § 44 Abs. 1 mit der Maßgabe, dass am Anfang und am Ende einer Fahrradstraße die betreffenden Hinweiszeichen (§ 53 Abs. 1 Z 26 und 29) anzubringen sind.

Der oben erwähnte Paragraph §76a Abs. 5 (Auszug aus dem §76 StVO Fußgängerzone):

5) Unbeschadet der Bestimmung des Abs. 2 dürfen Fußgängerzonen

a) mit Fahrzeugen des Straßendienstes und der Müllabfuhr sowie gegebenenfalls mit Schienenfahrzeugen und Omnibussen des Kraftfahrlinienverkehrs,
b) mit den zur Durchführung einer unaufschiebbaren Reparatur eines unvorhersehbar aufgetretenen Gebrechens notwendigen Fahrzeugen,
c) mit Fahrzeugen des öffentlichen Sicherheitsdienstes und der Feuerwehr in Ausübung des Dienstes und
d) mit Krankentransportfahrzeugen, sofern der Ausgangs- oder Endpunkt des Krankentransports in der Fußgängerzone liegt,

befahren werden.

Was wäre daher der Unterschied zur jetzigen Lösung (normale Gemeindstraße, Höchstgeschwindigkeit 30 km/h)?

A. Außer Fahrradverkehr ist jeder andere Fahrzeugverkehr (mit den oben genannten Ausnahmen) verboten
B. Das Befahren ist nur zum Zeck der Zu- und Abfahrt erlaubt (kein Durchfahren mehr)

Gibt es noch andere Möglichkeiten?

Eindeutig ja, daher kann der Gemeinderat nur dringenst gebeten werden, diese Entscheidung gut zu überdenken! Ein Beschluß, nur damit man vor den Wahlen noch etwas beschließt das fast 10 jahre gefordert wurde, aber letztendlich nicht für alle von Vorteil ist, bringt niemendem etwas!

  • Begegnungszone
  • fahrradstrasse
  • fussgaengerzone
  • wohnstrasse

Als mögliche Varianten zur Fahrradstraße gäbe es:

  • Fußgängerzone (StVO §76a)
  • Wohnstraße (StVO §76b)
  • Begegnungszone (StVO §76c)

Grobübersicht der Varianten (für Gesetzestext jeweils Link anklicken):

  KFZ max. Geschwindigkeit Fußgänger Radfahrer Durchzugsverkehr
Fahrradstraße 30 km/h (1) (3) nein (2) ja nein
Fußgängerzone nein, siehe Ausnahmen (3) ja nur schieben erlaubt nein
Wohnstraße Schrittgeschwindigkeit ja ja nein
Begegnungszone 20 km/h (4) ja (5) ja (6) ja

(1) Zu & Abfahrten für Bewohner erlaubt, weitere Ausnahmen siehe (3)

(2) Fußgänger dürfen die Fahrbahn nicht verwenden

(3) Die Behörde kann zusätzlich erlauben:
* Kraftfahrzeugen des Taxi- und Mietwagen-Gewerbes und Fiakern jeweils zum Zubringen oder Abholen von Fahrgästen
* Kraftfahrzeugen des Gästewagen-Gewerbes zum Zubringen oder Abholen von Fahrgästen von Beherbergungsbetrieben
* Fahrrädern
* Kraftfahrzeugen mit einem höchsten zulässigen Gesamtgewicht bis zu 3 500 kg, die zur Ausübung der Tätigkeit als Handelsvertreter dienen und die mit einer Tafel mit der Aufschrift „Bundesgremium der Handelsvertreter, Kommissionäre und Vermittler“ und mit dem Amtssiegel des Landesgremiums, dem der Handelsvertreter angehört, gekennzeichnet sind

(4) Behörde kann max. 30 km/h erlauben

(5) Fußgänger dürfen gesamte Fahrbahn benutzen, KFZ-Lenker dürfen Fußgänger weder gefährden noch behindern

(6) Radfahrer dürfen gesamte Fahrban benutzen, KFZ-Lenker dürfen Radfahrer weder gefährden noch behindern

In Summe ergibt sich aus allen Varianten als beste Lösung die Begegnungszone.

Warum?

  1. Geschwindigkeit max. 20 km/h (außer Gemeinde erhöht auf 30)
  2. Fußgänger dürfen gesamte Fahrbahn benutzen
  3. Radfahrer dürfen gesamte Fahrbahn benutzen
  4. Durchzugsverkehr ist erlaubt
  5. Begegnungszonen sind in der Steiermark schon etabliert, siehe Begegnungszonen z.B. in Feldkirchen, Stainz, Hartberg und weitere
  6. Die bisherigen Wohnstraßen Getreideweg/Weizenweg sowie Flurgasse 8 (ehemalige Tennisplätze) damit ebenso ersetzen
  7. Eine Verordnung durchgehend von Packerstraße bis Einödstraße
  8. Sowohl Tagesmutterstätte Wassergasse, Massage Flurgasse 5 und Augenarzt Flurgasse 8 wären von beiden Seiten erreichbar

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