Nie wieder!

Geschrieben von mp am .

9. November 1938 - der Mob in Graz unter der Führung des damaligen Oberbürgermeisters und SS-Obersturmführer zerstört jüdische Geschäfte.

Brennt die Synagoge nieder, Kaspar warf die erste Brandfackel.

Die Menge ist begeistert.

Was war da los? Wie konnte es soweit kommen?

Nachdem der Oberbefehlshaber und Obernazi Adolf Hitler nach einem Mordanschlag am 7. November 1938 des 17-Jährigen polnischen Juden Herschel (Hermann) Feibel Grynszpan auf einen Mitarbeiter des damaligen deutschen Botschafters Rath in Paris, dies als Anlaß nahm und zu Verfolgung der Juden und Brandschatzung ihrer Einrichtungen und Geschäfte aufgerufen hatte, machten sich damals im 'Großreich' nach einer Brandrede von Goebbels unzählige auf den Weg diesem Aufruf zu folgen.

Die Folge war die sogenannte 'Reichskristallnacht' oder besser Reichspogromnacht (siehe Novemberpogrome 1938 auf Wikipedia).

Alles was irgendwie nach Jude und Judentum aussah, wurde angegriffen, Synagogen und Geschäfte geplündert. Jüdische Mitbewohner ermordet.

Etwa 400 Personen wurden entweder ermordet oder in den Selbstmord getrieben.

Synagogen, Betstuben sowie andere Versammlungsräume wurden zerstört oder nieder gebrannt.

Damals lebten ca. 192.000 Juden in Österreich, neben Wien war Graz die zweitgrößte Gemeinde.

Wer war nun dieser Kaspar?

Dr. Julias Kaspar

Kaspar vor Grazer Rathaus

[Quelle: Alfred Steffen, Graz, "Bürgermeister Caspar übernimmt die Amtsgeschäfte", 1938 (Multimediale Sammlungen/UMJ)]

Der Rechtsanwalt und Strafverteidiger war vom 12. März 1938 bis 7. Mai 1945 Bürgermeister bzw. nach der Eingemeindung der Umgebungsgemeinden Oberbürgermeister der Stadt Graz.

Seit 1934 war Kaspar Mitglied der NSDAP gewesen und im Jahr 1938 wurde er SS-Obersturmführer. Als Bürgermeister übernahm er in der NSDAP-Gauleitung den Bereich der Kommunalpolitik. Im Jahr 1940 erklärte der Nationalsozialist Graz zur "judenfreien" Stadt.

(Auszug von Die Bürgermeister von Graz)

Damals lebten ca. 2.500 Juden in Graz, mit Frühjahr 1940 wurde Graz für 'Judenfrei' erklärt - nachdem über 793 Jahren Juden in Graz bzw. der Steiermark lebten.

Heute (2018) hat die Grazer Jüdische Gemeinde nur mehr knapp 200 Mitglieder - seit 9. November 2000 wieder eine Synagoge:

Kaspar vor Grazer Rathaus

Kann sich das wiederholen?

Sieht man sich die heutige Zeit an, verfolgt was die aktuelle österreichische Regierung bzw. die Regierungsparteien ÖVP & FPÖ macht (bzw. nicht macht), beobachtet Vorfälle wie rechts gerichtete Aussagen von FPÖ-Politikern (und -innen), Liederbuchaffaire - stimmt das nachdenklich.

Noch nachdenklicher muss man werden, wenn man ausserhalb Österreichs schaut.

Deutschland schafft es nicht seine Vergangenheit zu bewältigen! Nazis, Nazigedankengut, AFD haben dort leichtes Spiel.

Die USA sind da nicht besser - im Gegenteil!

Unter Berufung auf deren Verfassung bzw. Zusatzartikel bzgl. Meinungsfreiheit 'gedeiht' gerade dort das Nazitum. Und mit dem jetzigen Präsidenten Trump wird es nur schlimmer.

Oder Naher Osten mit IS, Saudiarabien und der Jemen, Pakistan und Indien mit den Minderheitsverfolgungen dort.

Können wir etwas tun?

Nicht vergessen!

In der Geschichte Europas gab es noch nie einen so langen Zeitraum ohne Krieg - immerhin haben wir es geschafft, mittlerweile 73 Jahre ohne Krieg auszukommen.

Leider ist es so, dass über die Zeit nach wie vor sehr wenig in den Schulen vermittelt wird. Totschweigen scheint nach wie vor das beste Mittel für die Österreicher zu sein.

Österreich war nie Opfer (wie immer gerne behauptet wird und wurde), hier sassen die Täter.

Woher aber sollen die nachkommenden Generationen davon erfahren, wissen, sich dafür interessieren?

Daher braucht es immer und immer wieder Aufrufe dazu.

Denn so etwas - oder ähnlicher Form - darf nie wieder passieren!

Bildernachweis:
Yad Vashem Fotoarchiv FA66/33
Multimediale Sammlungen/UMJ
Jüdische Gemeinde Graz

Weiterführende Links:

Yadvashem
Stadt Graz und ihre Bürgermeister
Jüdische Gemeinde Graz

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